|
|
 |
| Warum man Club of Rome Schulen braucht?! - 16.2.07 |
 |
|
 |
 |
 |
| Uwe Möller (Generalsekretär des Club of Rome) hält Vortrag |
 |
60 interessierte Zuhörer hatten am 5.2.07 die Gelegenheit den Generalsekretär des Club of Rome bei einem Vortrag in unserem Lesezimmer erleben zu dürfen.
Hier sein Vortrag in Auszügen:
|
 |
 |
| Die Schule vor den Herausforderungen der Globalisierung |
 |
Was die Gründungsväter Aurelio Peccei und Alexander King 1968 mit einem Kreis von Wissenschaftlern, Unternehmern und Politikern veranlasste, sich einer globalen, holistischen
und langfristigen Sicht der Weltprobleme zuzuwenden, war die Erkenntnis, dass vor allem in
der Politik, aber auch in der Wirtschaft, angesichts der globalen, komplexen und dynamischen
Dimension des Weltgeschehens nicht die notwendigen zukunftsweisenden Entscheidungen
getroffen werden, die das Überleben der Menschheit sichern können.
Mit seinem Bericht „Grenzen des Wachstums“ aus dem Jahre 1972 mit der damals
provozierenden Botschaft, dass den materiellen Ansprüchen der Menschheit nur endliche
Naturressourcen gegenüberstehen, hat der Club of Rome in der Öffentlichkeit große Resonanz
gefunden und seinen Ruf als vorausschauende „Denkfabrik“ begründet. Ebenso hat er jedoch
von Anbeginn (1968) deutlich gemacht, dass es für das Lernen keine Grenzen gibt – gilt es
doch alle geistigen und moralischen Kräfte jedes einzelnen Menschen zu mobilisieren, um die
Menschheit insgesamt zu befähigen, in einer kleiner und enger werdenden Welt ein Leben zu
führen, das in Einklang mit der Natur steht und nachhaltigen Wohlstand in Frieden für alle
ermöglicht. Bildung und Erziehung haben daher stets im Vordergrund der Arbeit des Club of
Rome gestanden. Viele Mitglieder des Club of Rome, in allen Kontinenten und Kulturen, sind
in dieser Frage engagiert.
Alle Präsidenten des Club of Rome haben sich dieser Aufgabe in besonderer Weise
verpflichtet gefühlt, sei es der italienische Gründungspräsident Aurelio Peccei, für den als
internationale Unternehmerpersönlichkeit immer die „Qualität des Menschen“ im
Vordergrund stand, sei es der schottische OECD-Wissenschaftsmanager Alexander King, für
den die Erkenntnis galt: Wir wissen zwar viel, aber wir verstehen immer noch zu wenig -
dabei die Bedeutung der Weisheit betonend; sei es der spanische Bildungsexperte Ricardo
Diez-Hochleitner mit großer Erfahrung in internationalen Bildungsprogrammen, zudem
gesegnet mit 22 Enkelkindern, sei es der gegenwärtige Präsident Prinz Hassan von Jordanien,
der aus seinen vielfältigen, häufig leidvollen Erfahrungen der „Nord-Süd-Problematik“
besonders um die Notwendigkeit von Bildung und Erziehung zu Toleranz und Solidarität
weiß.
Wie lernen wir, die Welt zu verstehen ?
In der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen für eine überlebenswerte und
nachhaltige Zukunft gilt es zunächst das Bewusstsein für folgende Einsichten zu schaffen,
Dabei kommt Bildung und Erziehung eine strategische Bedeutung zu:
1. Wir leben in einer zunehmend globalisierten Welt ! Die Welt wird kleiner und
enger. Es gibt keine „fernen“ Probleme mehr! Ein Arbeitsplatz in Hamburg geht
verloren, weil er nicht mehr wettbewerbsfähig ist gegenüber einem aufstrebenden und
innovativen Unternehmen in Vietnam. Architekturstudenten in München stehen im
Wettbewerb um zukünftige Beschäftigungs- und Aufstiegschancen mit ehrgeizigen
Studenten in Shanghai. Die vordringenden Kommunikationstechnologien, eine
wesentliche Triebkraft der Globalisierung, führen dazu, dass Karikaturen in einer
dänischen Provinzzeitung oder eine missverständliche Äußerung des Papstes die
Gefahr eines weltweiten Kulturkampfes heraufbeschwören können. Schule muss daher
versuchen, dem heranwachsenden jungen Menschen zum Verständnis seiner eigenen
Situation eine zutreffende Weltsicht nahe zu bringen. Dazu gehört vor allem auch das
Verständnis anderer Kulturen und ihrer Wertesysteme.
2. Wir leben in einer komplexen und vernetzten Welt ! Diese können wir nur
erkennen und gestalten, wenn wir lernen systemisch zu denken, und dabei, die
individuellen Fähigkeiten und das jeweilige Fachwissen fördernd, gleichzeitig die
Notwendigkeit partizipatorischen Lernens und Verhaltens betonen. Wir müssen alle
individuellen Begabungspotentiale fördern; in einer komplexen und vernetzten Welt
kommen sie jedoch nur in einer systemischen und kooperativen Verknüpfung
produktiv zum Tragen.
3. Wir leben in einer sich immer schneller verändernden Welt ! Probleme entstehen
in der Regel, neben der Unfähigkeit Globalität und Komplexität in den Griff zu
bekommen, auch dadurch, dass man in der Vergangenheit sich nicht hinreichend
darum bemühte, eine zutreffende Sicht über die Kräfte und Zusammenhänge zu
gewinnen, die die zukünftige Entwicklung mit großer Wahrscheinlichkeit prägen.
Lernen muss daher auch eine antizipatorische Dimension beinhalten. Es gilt in
inspirierenden Szenarien Wissen über Fakten und Zusammenhänge mit Intuition
schöpferisch zu verbinden.
Was müssen wir von den globalen anzupackenden Aufgaben wissen ?
Der Club of Rome hat für die Beschreibung der komplexen globalen Problemlage den Begriff
der world problematique geschaffen und in Hinblick auf die zur Problemlösung und
Zukunftssicherung zu treffenden Entscheidungen und Maßnahmen den Begriff der world
resolutique geprägt. Seit 1972 sind in ca. 30 Berichten an den Club of Rome unterschiedliche
Aspekte der world problematique und der world resolutique beleuchtet worden. Sie beziehen
sich letztlich auf drei große, sich wechselseitig bedingende Herausforderungen:
1. Die Welt braucht Frieden ! Politische Stabilität und Regierungsfähigkeit sind in
vielen Regionen der Welt nicht mehr gewährleistet. Staatliche Strukturen brechen
zusammen. Zunehmend ergeben sich gefährliche Konfliktpotentiale mit Gefährdung
des Weltfriedens durch Terrorismus, Weiterverbreitung von Waffen und
Privatisierung von Kriegen. Wesentliche Ursachen dafür liegen in einer gefährlichen
Mischung von religiösen und nationalistischen Gegensätzen sowie extremen sozioökonomischen
Ungleichgewichten.
In diesem Zusammenhang stellen sich besondere Herausforderungen für Europa, sieht
es sich doch an seiner Südflanke, in geographischer Nähe, einer besonders
konfliktreichen Region gegenüber. Hier gilt für die EU: entweder gelingt es mit Hilfe
der EU die Region Naher/Mittleren Osten und Afrika politisch und sozio-ökonomisch
„vor Ort“ zu stabilisieren, oder die Probleme kommen zu uns! Eine besondere Brisanz
ergibt sich aus der unterschiedlichen demographischen Entwicklung: das alternde
Europa sieht sich im Süden einer Region mit der stärksten Bevölkerungsexpansion
gegenüber. Umso mehr wird es nötig sein, den „Süden“ zu entwickeln und zu einem
friedlichen religiös-kulturellen Miteinander von Okzident und Orient zu kommen.
Gerade die EU kann als Vorbild dienen, wie nationale Gegensätze überwunden
werden können, wie man Regierungsfähigkeit auf supranationaler Ebene herstellen
kann. In vielen krisenbehafteten Regionen der Welt wird daher die Entwicklung in der
EU mit großem Interesse verfolgt.
2. Die Welt braucht Gerechtigkeit! Das starke Wohlstandsgefälle zwischen Nord und
Süd in der Größenordnung von 16 : 1, innerhalb der Gesellschaften im „Süden“ noch
ausgeprägter, ist eine wesentliche Quelle für die gegenwärtige Konfliktszenerie. Die
Globalisierung der Märkte mit Beschleunigung des technischen Fortschritts und
Verschärfung des Wettbewerbs hat vielfach die Kluft zwischen Gewinnern und
Verlierern weiter vertieft. Die bisherige Entwicklungshilfe des „Nordens“ war nur sehr
begrenzt hilfreich. Häufig war sie kontraproduktiv, verbunden mit Großprojekten hat
sie wesentlich zur Ausbreitung von Korruption beigetragen.
Gilt es einerseits durch eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung dem „Süden“ bessere
Chancen am Weltmarkt zur wirtschaftlichen Entwicklung zu geben, so muss in der
Entwicklungszusammenarbeit zukünftig sehr viel mehr Gewicht auf die Förderung
von dezentralen Strukturen gelegt werden. Entscheidend für jegliche Entwicklung sind
jedoch Bildung und Ausbildung, vor allem für Frauen, die in vielen Gesellschaften
wesentliche Träger der wirtschaftlichen Aktivitäten sind.
Die UN-Millennium-Entwicklungsziele, im Jahr 2000 von 191 Staaten der Welt
unterzeichnet, zeigen, welche Aufgaben angepackt werden müssen, um, wie
angestrebt, bis zum Jahre 2015 einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung
existentieller Not in der Welt zu erreichen:
- Extreme Armut und Hunger beseitigen
- Grundschulbildung für alle Kinder gewährleisten
- Gleichstellung der Frauen fördern
- Die Kindersterblichkeit senken
- Die Gesundheit der Mütter verbessern
- HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen
- Ökologische Nachhaltigkeit gewährleisten
- Eine globale Partnerschaft für Entwicklung
3. Die Welt braucht nachhaltige Entwicklung ! Dennis Meadows, der Autor des
Berichts „Grenzen des Wachstums“ aus dem Jahre 1972 hat in seinem „30 Years
Update“, 2004 erschienen, feststellen müssen, dass die Menschheit inzwischen die
natürliche Tragfähigkeit von Mutter Erde mit dem Faktor 1,2, die Überlebenschancen
für die kommenden Generationen gefährdend, überstrapaziert ! Die Warnungen, die
sich aus den Berechnungen und Szenarien des Weltmodells von 1972 ergaben, haben
nicht gefruchtet. Da sich übergroße materielle Ansprüche aus dem Nachholbedarf der
armen, immer noch wachsenden Menschenmassen der Dritten Welt ergeben, bedarf es
in den kommenden Jahrzehnten einer Dematerialisierung der Wirtschaft um den
Faktor 10, nur zu bewältigen durch technologische Innovationen, die die
Ressourceneffizienz dramatisch steigern, zum anderen durch eine Revolutionierung
unserer Lebensstile, die sich sehr viel stärker dem „Sein“ als dem „Haben“ zuwenden
müssen. Auch Glück und Zufriedenheit müssen neu definiert werden. In der Bildung
benötigen wir dringend eine „Werte-Diskussion“: geistig-kulturelle sowie soziale
Leistungen werden eine größere Rolle spielen.
Engagement des Club of Rome
Viele Mitglieder des Club of Rome sind weltweit in verschiedene Aktivitäten und Netzwerke
eingebunden. An dieser Stelle sollen zwei Projekte erwähnt werden, die sich der world
resolutique widmen und in denen deutsche Mitglieder des Club of Rome sowie die Deutsche
Gesellschaft Club of Rome besonders engagiert sind.
Die Global Marshall-Plan Initiative (GMPI), wesentlich gegründet und getragen von Franz. J.
Radermacher (Mitglied Club of Rome) und Frithjof Finkbeiner (Mitglied Club of Rome,
stellvertr. Vorstandsvors. DGCoR), hat das Konzept einer globalen öko-sozialen
Marktwirtschaft entwickelt, das den obengenannten globalen Herausforderungen Rechnung
trägt. Bei der GMPI besteht auch die Möglichkeit, sehr günstig Literatur zum Thema „Globale
Nachhaltigkeit“ zu beziehen. www.globalmarshallplan.org).
Das TREC-Projekt (Trans-mediterranean Renewable Energy Co-operation), begründet von
Gerhard Knies (Mitglied DGCoR), wird inzwischen getragen von einem Netzwerk von
engagierten Persönlichkeiten und Institutionen in der EU wie in der MENA-Region (Middle
East, North Africa). Es hat sich zum Ziel gesetzt, die unerschöpflichen Ressourcen der
Sonnenenergie in den Wüstengebieten durch solar-thermische Kraftwerke zur Energie-,
Klima- und Wasser-Sicherheit zu nutzen. Die immer offensichtlicher werdenden Klimarisiken
erfordern angesichts eines wachsenden Energiebedarfs aus dem „Süden“ dringend eine
Steigerung der Energie-Effizienz sowie den Ersatz fossiler Energieträger (die zudem zu 50 %
zur globalen Ressourcenbelastung beitragen) durch erneuerbare Energien, vornehmlich unter
Ausnutzung der Solar-Energie in den weltweit vorhandenen Wüstengebieten. Nur mit Hilfe
dieser „sauberen“ Energie kann auch durch Meeresentsalzung das immer dringendere
Problem der Wasserknappheit in den ariden Zonen, verschärft durch den Klimawandel
zunehmend auch Südeuropa betreffend, gelöst werden (www.trecers.net).
Der junge think-tank tt30 des Club of Rome (30 junge Mitglieder um die 30 aus der gesamten
Welt mit unterschiedlichem beruflichen bzw. wissenschaftlichen Hintergrund) hat sich sehr
intensiv mit dem Konzept der world problematique auseinandergesetzt und dazu ein sehr
detailliertes Tableau erstellt, das ein umfassendes Bild der gegenwärtigen Weltlage und ihrer Zukunftsperspektiven bietet. (www.clubofrome.org/tt30/ web of problematique).
|
 |
 |
|
 |