Auslaufmodell Hauptschule? - HZ 10.11.06
Neuensteiner Schulleiter: „Wenn sich nichts ändert, können wir in zehn Jahren dicht machen“
HauptschuleSpaß am Lernen wollen Hauptschulen vermitteln. Trotzdem fiel die Zahl der Hauptschulabsolventen im Kreis in den letzten vier Jahren von 558 auf 500.

Die Hauptschulen sind seit Jahren „das Versuchslabor unserer Schullandschaft“, sagt Mathias Wagner-Uhl, Leiter der Grund- und Hauptschule Neuenstein. Das hört sich erst einmal gut an. „Doch letztlich sitzen wir in der Mausefalle“, sieht er die Zukunft der Hauptschulen pessimistisch. Denn: „Alles, was an den Hauptschulen erfolgreich erprobt wird, kommt keine zwei Jahre später in Realschule und Gymnasium.“ Und so muss das Rad immer weiter gedreht werden. „Denn wir brauchen das Beste für unsere Schüler.“ Was „das Beste“ ist, darüber haben sich innovative Schulleiter jüngst in Ludwigsburg Gedanken gemacht. Für Wagner- Uhl ist klar: „Wenn sich nichts ändert, können wir in zehn Jahren dicht machen.“ Die Zukunft der Hauptschule sieht nicht nur er düster. Genau das ist das Problem: Für Eltern ist der Übergang ihres Kindes in die Hauptschule „nicht attraktiv“ (Wagner-Uhl). Der Grund liegt an den schlechten Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Die Übergangsquoten belegen das drastisch: Kamen vor zehn Jahren noch etwa 40 Prozent eines Schülerjahrgangs auf die Hauptschule, sind es nun unter 30 Prozent. Das Unwort „Restschule“ macht die Runde. „Und genau so wird es kommen, wenn sich an Hauptschulen Kinder mit extremem Förderbedarf konzentrieren, wenn die positiven Vorbilder in den Klassen fehlen“, prophezeit Wagner-Uhl. Dazu kommt, dass sich kommunale Träger bei rückläufigen Schülerzahlen überlegen, welche Standorte geschlossen werden.

Drei Maßnahmenpakete müssten von Politik und Gesellschaft geschnürt werden, um die Hauptschule zukunftsfähig zu machen. Er fordert: Die Ausbildungschancen für Hauptschüler müssen besser werden. In der Region, so Wagner-Uhl, sei es nicht ganz schlecht, auch dank der Berufsorientierung in der Hauptschule.

Dazu kommt die Frage, ob wirklich jedes Kind an Realschule oder Gymnasium richtig ist. „Die Notendurchschnitte wurden vor einigen Jahren von 2,0 und 2,5 auf 2,5 und 3,0 gesenkt“, sagt Wagner-Uhl. „Das könnte man wieder zurück drehen.“

Weiter stellt Wagner-Uhl die Trennung von Haupt- und Real- und Sonderschulen in Frage: „Vielleicht wäre es sinnvoller, Kinder unterschiedlicher Leistungsstufen zusammen zu unterrichten. Das hätte den Vorteil, dass pädagogisch große Kompetenz an einem Standort geballt wäre und eine ganz neue Schulqualität entstehen könnte.“ Dazu braucht es aber Fortbildung. Und die kostet.

Auch die jetzige Form der Zeugnisse, nach wie vor Auswahlkriterium Nummer eins in Ausbildungsbetrieben, stellt Wagner-Uhl für differenzierte Leistungsbeschreibungen in Frage. „Doch sobald man an einer Schraube dreht, muss man sehen, dass die Passung zu den beruflichen Schulen und Berufsfeldern noch stimmt.“ Von der Politik kämen unterschiedliche Signale, sagt Wagner-Uhl.

Von Yvonne Tscherwitschke, Hohenloher Zeitung
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