"s`COOL - Vorzeigeprojekt verlängert": Hohenloher Zeitung 8.7.04
Tendenz in der Jugendhilfe wurde umgekehrt
Von Yvonne Tscherwitschke

Das Neuensteiner Vorzeigeprojekt s'Cool wird verlängert. Bereits nach drei Jahren zeigt sich: Tendenziell haben sich die Fallzahlen in der Jugendhilfe verringert.

Seit drei Jahren gibt es in Neuenstein s'Cool mit sozialer Gruppenarbeit, offenem Freizeitangebot und Hausaufgabenbetreuung. Das spürt man in der Jugendhilfe. Deshalb wird s'Cool bis 2006 verlängert.

Vor drei Jahren hat eine Erbschaft des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes (ASS) das Projekt s'Cool in Neuenstein ermöglicht. Steigende Fallzahlen in der Jugendhilfe und die Sorge der Schule, dass in manchen Klassen geregelter Unterricht nur mit größten Anstrengungen möglich war, gaben den Anstoß dafür. S'Cool hat sich zum Ziel gesetzt, auffälligen Kindern früh Hilfe anzubieten. Das geschieht mit Hausaufgabenbetreuung, sozialer Gruppenarbeit und einem offenen Freizeitangebot. Außerdem arbeitet Simone Siegele mit einer Gruppe Jugendlicher daran, den Jugendraum wieder zu öffnen.

Bereits jetzt, so Heiner Schüz vom ASS, habe sich die Tendenz in der Jugendhilfe umgekehrt. Bürgermeisterin Sabine Eckert-Viereckel ergänzte, dass das Projekt im Jugendhilfeausschuss vorgestellt wurde, dort auf so großes Interesse stieß und anschließend auch in der Bürgermeisterrunde vorgestellt wurde. Nun wollen weitere Gemeinden das Modell kopieren. Keine Frage daher für die Neuensteiner Räte, dass s'Cool auch künftig unterstützt wird. Sogar umfassender denn bisher. Neuenstein finanzierte zehn Prozent der Lohnkosten von Simone Siegele, die s'Cool betreut. Der Rest kam von Landratsamt und ASS. Nun wird Neuenstein den Anteil vom ASS übernehmen und dafür eine Erbschaft auflösen. Statt des prozentualen Anteils von rund 4300 Euro gibt Neuenstein nun pauschal 16 000 Euro für s'Cool.

"Das Projekt ist grundsätzlich gut. Wir sollten es beibehalten", sprach Roland Megerle (FWV) für alle Räte. Auch Herbert Kümmerle (SPD) freute sich, dass s'Cool eine Entspannung gebracht habe. "Aber Jugendsozialarbeit wäre eigentlich Aufgabe des Landes", würde sich Kümmerle über Zuwendungen des Landes freuen. Karl-Georg Federolf (FWV) wollte wissen, ob mit den relativ kleinen Gruppen alle Problemfälle erfasst würden. Das musste Simone Siegele natürlich verneinen. Allerdings sei eine Hausaufgabenbetreuung für Erst- und Zweitklässler nur in Kleingruppen möglich. Dazu komme, dass seitens der Eltern eine Bereitschaft da sein müsse, die Kinder zu dem freiwilligen Angebot zu schicken. "Sonst bringt das nichts."

Die Schulleitung nennt Simone Siegele die Kinder, für die das Angebot von s'Cool vorteilhaft wäre. Dann nimmt sie Kontakt mit den Eltern auf und unterbreitet ihnen das Angebot von s'Cool. Derzeit sind zwei Gruppen für jeweils vier Grundschüler und zwei Gruppen für je sechs Hauptschüler aktiv. Für das offene Freizeitangebot melden Eltern ihre Kinder an. Gesunken ist das Interesse an der Hausaufgabenbetreuung. Statt 20 sind hier nur noch fünf Kinder. "Das liegt möglicherweise an der Gebühr, die nun dafür erhoben wird", fürchtet Ingrid Hofmann (FWV). Denn sie hat festgestellt. "Das Angebot hat den Unterricht entlastet."

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